Ende der 50er Jahre schwappte das Hula-Hoop-Fieber von den USA nach Europa. Der um die Hüfte zu schwingende Kunststoffreifen wurde millionenfach verkauft. Jung und Alt versuchen sich in diesem Sport, erfanden neue Kunststücke und massen sich in Wettkämpfen. Was für meine ältere Schwester passte, war für mich und meine Schulkameraden viel zu gross. Also übten wir uns im Hulahopp-Werfen. Dabei wirft man den aufrecht stehenden Reifen flach weg und versetzt ihn gleichzeitig in eine rückwärtige Rotation. War die Rotation stark genug, kehrt der Ring wie ein Bumerang zum Werfer zurück. Ein ähnliches Phänomen findet man beim Kegeln oder Bowling. Bei diesem Spiel geht die Kugel nach einer kurzen Rutschpartie in ein sauberes Rollen über.
Interessanter aber auch viel gefährlicher war unser Zeitvertreib im ersten Lehrjahr. War der Lehrmeister kurz abwesend unterbrachen wir die eintönige Feilarbeit, nahmen das zu diesem Zweck bereit gestellte Kugellager aus der Schublade, hielten es mit einem horizontal gerichteten Silberstahlstab aufrecht und bliesen mit Pressluft in dessen Käfig. Der stetig höher steigende Heulton war ein Mass für die Drehzahl des äusseren Rings. War diese hoch genug, setzten wir das Lager auf den Boden. Die nachfolgende Bewegung erreichte eine hohe Geschwindigkeit und trieb den doppelten Ring rasch gegen eine Wand oder eine Maschine, wonach ein ziemlich chaotischer Bremsvorgang einsetzte. Der unverhofft durch den Plastikvorhang in die Lehrwerkstatt eintretende Betriebsleiter beendete diesen Unsinn mit markigen Worten ein Ende.
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